Coldwire – Die Zukunft ist tödlich (Band 1)

„Coldwire – Die Zukunft ist tödlich“ ist der Auftakt einer Cyberpunk-Trilogie, bei der es um einen Machtkampf zweier Nationen über eine virtuelle Welt geht, welche zum neuen Lebensraum der Menschheit geworden ist.

von Alice

Epidemien und Klimakatastrophen beherrschen den Alltag. Die Städte sind verfallen, und die eigene Wohnung zu verlassen, ist häufig riskant. Anstatt die Probleme zu lösen, wurde eine zweite, virtuelle Welt erschaffen, die eine Kopie der echten Welt ist, nur in deutlich schöner. Zahlreiche Menschen verbringen die den Großteil ihres Lebens in einer Kapsel, die sie mit Nährstoffen versorgt und gleichzeitig als Zugang zur virtuellen Welt, Upcountry, dient. Upcountry kann jedoch sehr teuer werden – wer sich das nicht leisten kann, muss also länger in der echten Welt, Downcountry, bleiben. So auch Eirale, die als Kriegswaise dazu verpflichtet ist, als Soldatin zu dienen. Schon mehrere Male hatte sie den Auftrag, den wohl gefürchtetsten Anarchisten jener Zeit zu fassen und eines Tages gelingt es ihr beinahe, doch dann wird sie von ihm entführt und erpresst. Eirale soll angeblich einen Regierungsbeamten ermordet haben. Die Beweismittel für ihre Unschuld befindet sich in den Händen ihres Entführers, welcher sie dazu zwingt, ihm bei der Suche nach einem mächtigen KI-Programm zu helfen.

An einem anderen Ort steht Lia, ebenfalls eine Kriegswaise, kurz vor ihrer Abschlussprüfung der Militärakademie. Gemeinsam mit Kieren belegt sie den ersten Platz, weshalb die beiden die schwerste Prüfung von alle erhalten: Sie sollen einen Verräter des Landes aufspüren. Wer die besten Leistungen erbringt, darf seinen Beruf frei wählen. Beide möchten dem für sie vorgesehen Schicksal entkommen, weshalb sie stark konkurrieren, gleichzeitig müssen sie für die Erfüllung der Aufgabe zusammenarbeiten. Schon bald ahnt Lia, dass Kieren Geheimnisse vor ihr hat.

Der Einstieg in die Handlung verläuft schwierig, weshalb die ersten Kapitel etwas herausfordernd sind. Zunächst wird man mitten in die Geschichte geworfen aus der Sicht von Personen, die mit den Eigenheiten der Welt bereits vertraut sind. Man wird mit Informationen überflutet, die aber nicht näher erläutert werden, und begegnet Begriffen, deren Bedeutung sich nicht immer logisch erschließen lassen. Für den Plot ist es nicht relevant, mit der Erklärung so lange zu warten, wodurch der Einstieg unnötigerweise erschwert wurde. Ab dann erlebt man allerdings eine faszinierende Welt mit einfallsreichen Ideen und eine spannende Handlung mit zahlreichen überraschenden Wendungen.

Zu den einfallsreichen Ideen gehört unter anderem der Aufbau der virtuellen Welt. Befinden sich die Charaktere Upcountry, stellt man sich als Leser ständig die Frage, wie die Gegend Downcountry aussehen würde. Ein schick eingerichtetes Büro könnte durchaus einen einsturzgefährdeten Raum als Gegenstück haben. Die virtuelle Welt bildet nicht nur die Umgebung nach, sondern auch den Alltag. Avatare müssen in der virtuellen Welt essen, Zähne putzen, duschen und so weiter. Die Nachbildung ist so real, dass man als Leser hin und wieder kurz nachdenken muss, wo die Charaktere sich im Moment befinden. Es wird zwar immer verständlich darauf hingewiesen, nur fühlt sich Upcountry so normal an, dass man es hin und wieder vergisst.

Die Handlung liest man abwechselnd aus der Ich-Persepektive von Eirale und Lia, welche beide eine spannende Geschichte erleben und da hat es sich angeboten, die Kapitel häufig mit einem Cliffhanger zu beenden, was besonders motiviert weiterzulesen. Die Handlungsstränge verlaufen beinahe bis zum Schluss getrennt und hängen doch mehr miteinander zusammen, als man zunächst ahnt. Es gibt zahlreiche Anspielungen und Szenen, die wenig relevant wirken, deren Bedeutung später jedoch klar wird. Nach der überraschenden Auflösung könnte durchaus das Bedürfnis entstehen, den Roman mit einem neuen Blickwinkel direkt ein zweites Mal zu lesen. Alternativ kann man mit dem zweiten Durchgang auch auf die Fortsetzung warten. Auf Englisch ist diese bereits erhältlich – wann die deutsche Übersetzung erscheint, ist allerdings noch unbekannt.

Das Cover ist überwiegend in Pink und Türkis gehalten, was typische Farben für das Cyberpunk-Genre sind. In der vorliegenden Ausgabe handelt es sich im eine limitierte Edition mit pinkem Farbschnitt. Wie künftige Auflagen des Romans aussehen sollen, ist noch nicht bekannt.

Leseprobe

Fazit: „Coldwire – Die Zukunft ist tödlich“ überzeugt durch überraschende Wendungen und eine faszinierende Welt voller einfallsreicher Ideen.

Coldwire – Die Zukunft ist tödlich (Band 1)
Science-Fiction-Roman
Chloe Gong
Hobbit Presse/Klett-Cotta 2026
ISBN: 978-3-608-96669-5
560 S., Paperback, deutsch 
Preis: 18,00 EUR

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