Die Bruderschaft der Stürme – 3 Ankonn

Intrige und Verrat! Um was könnte es sonst gehen im dritten Band der von J. L. Istin erschaffenen und Sylvain Cordurié geschriebenen Piraten-Fantasy-Serie „Die Bruderschaft der Stürme“. In „Ankonn“ wird der titelgebende Kapitän von seinen Leuten aus Unzufriedenheit über Bord geworfen – und landet auf der ebenso geheimnisvollen wie gefährlichen Inselgruppe der Elfen. Sein Schicksal scheint besiegelt … oder etwa nicht?

von Kurt Wagner

„Vertrauen Sie niemandem.“ Dieser Satz ist nicht nur eines der zentralen Leitmotiv-Zitate der Kult-Mystery-Serie der 1990er „Akte X“, er könnte auch sehr passend über der vorliegenden Comic-Reihe stehen, zusammen mit: „Es gibt immer einen größeren Fisch.“ Denn genau darum geht’s auch in „Ankonn“ mal wieder.

Zu Beginn treffen wir eine räudige Piraten-Crew, die in den Gewässern der Bruderschaft der Stürme wildert – und von ihr dafür zur Rechenschaft gezogen wird. Ebenso mächtig wie erschreckend taucht der Segler der Bruderschaft unter dem Kommando des berüchtigten Kapitän Ankonn aus dem Nebel auf, und dessen Besatzung macht mit den frechen Emporkömmlingen kurzen Prozess.

Leider war der Laderaum der Möchtegern-Seeräuber leer, sodass Ankonn keine Beute machen kann. Das, so zeigt sich, ist schon wiederholt passiert, und seine Mannschaft wird mürrisch und aufmüpfig. In seiner Verzweiflung – oder im Suff, das würde auch stimmen – entscheidet Ankonn, zum Archipel der Elfen zu fahren und dort einen Überfall zu wagen. Die Elfen sollen sagenhaft reich sein. Leider ist kaum jemand je von deren Inseln zurückgekehrt, um davon zu berichten.

Auch die Mannschaft findet die Idee nicht so prickelnd, von Elfenpfeilen dahingerafft zu werden. Deshalb meutert sie, während die Rammer, Ankonns Schiff, schon in Spuckweite der Inseln liegt, und wirft ihren Kapitän kurzerhand über Bord. Der wird unerwartet von den Elfen gerettet, die sich als deutlich stärker erweisen, als es der Pirat je gedacht hätte. Doch auch sie haben Sorgen, denn: siehe Abschnitt eins. Für Ankonn beginnt ein gefährliches Spiel.

Mich hat dieser Piraten-Fantasy-Mix von „Die Bruderschaft der Stürme“ schon begeistert, seit ich das Cover von Band 1 „Thoorak“ gesehen habe. Während der Fantasy-Anteil in Band 2 „Orvann“ eher überschaubar war, nimmt er hier mit dem Einführen der Elfengemeinschaft wieder deutlich mehr Raum ein. Das gefällt! Dabei ist die Interpretation der Elfen zugleich im positiven Sinne ungewöhnlich und im negativen Sinne enttäuschend. Sie werden nämlich letzten Endes als Asiaten mit spitzen Ohren präsentiert. Die Kleidung ihrer Krieger erinnert an Samurai, sie tragen Katanas, ihre Hütten sind von asiatischem Design geprägt und ihre Schiffe erinnern an chinesische Dschunken. Das hebt sie gewissermaßen wohltuend von den typischen „Herr der Ringe“-Elfen ab, nimmt ihnen aber auch irgendwie ihre eigenständige Kultur, denn man betrachtet sie eher als Chinesen oder Japaner denn als Elfen.

Ansonsten ist die Handlung einmal mehr von Verrat und Rache geprägt. Und natürlich gibt es eine überraschende Wende zum Schluss. Das wird schon fast zum Schema der Istin-Comics, als würde er im Leitfaden für Drehbuchautoren Punkte abhaken. Ich will das jedoch nicht zu kritisch beurteilen. Immerhin entsteht so jedes Mal eine runde und spannende Geschichte, der man keine Plotlöcher oder dämlichen Handlungen der Protagonisten vorwerfen kann. Tatsächlich hat mir dieser Band 3 der Reihe wieder sehr gut gefallen, wenngleich Band 1 mein Favorit bleibt. Das Ende ist recht offen formuliert, steht aber durchaus in der Tradition von Piratengeschichten, insofern kann ich auch damit gut leben. Dass wir Ankonn nochmal wiedersehen, darf bezweifelt werden. Bis jetzt stand jeder Comic der Reihe vollständig für sich.

Die Optik verdient erneut ein besonderes Lob. Die Bilder von Nico Tamburo und Silvia Fabris fangen die Piratenstimmung großartig ein. Egal ob krachende Action, fiese Raubeine, wütende Elemente oder exotische Elfeninseln: Tamburo zeichnet mit versiertem Strich und Fabris sorgt für eine fantastische Koloration. Die anhaltende Qualität der Reihe trotz wechselnder Zeichner-Teams ist schon beeindruckend. Das kriegen die Kollegen der US-Schwergewichte Marvel und DC so in der Regel nicht hin.

Fazit: „Die Bruderschaft der Stürme – 3 Ankonn“ gefällt durch seine atmosphärische Optik, die runde, einmal mehr von Verrat und Intrigen geprägte Story und die Betonung des Fantasy-Aspekts im Piraten-Fantasy-Genre-Mix durch die Einführung der Elfengesellschaft. Deren starke Anlehnung an den asiatischen Kulturraum lässt leider die Elfenohren fast vergessen. Etwas mehr Eigenständigkeit wäre hier schön gewesen. Für mich besser als Band 2, aber immer noch nicht imstande, Band 1 vom Thron zu stoßen. Allen, die ein zünftiges Seemannsgericht mit einer kräftigen Dosis Fantasy-Würze mögen, vorbehaltlos zu empfehlen.

Die Bruderschaft der Stürme – 3 Ankonn
Comic
J. L. Istin, Sylvain Cordurié, Nico Tamburo, Silvia Fabris
Splitter 2026
ISBN: 978-3-68950-151-8
56 S., Hardcover, deutsch
Preis: 18,00 EUR

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