von LarsB
Ganz einfach
Jeder am Tisch hat eine kleine Holzbank vor sich, die genau eine Karte kippsicher so aufnimmt, dass man seine Karte selbst nicht sehen kann. Alle anderen Karten hat man aber gut im Blick. Das kennen wir schon so vom Spiel des Jahres 2013, „Hanabi“. Alle diese Karten stellen unser Restaurant-Lager dar. Erdbeeren, Trauben, Bananen und die exklusiven Durian-Früchte liegen darin in unbekannter Anzahl. Jeder Spieler hat jedoch leicht andere Informationen.
Reihum hat der Spieler am Zug nun die Wahl, eine neue Karte aufzudecken und die Bestellung zu platzieren oder den Gorilla-Manager per Glöckchen zu rufen. Letzteres macht man besser nur, wenn man arge Zweifel daran hat, dass die Lagervorräte für alle vorher platzierten Bestellungen reichen werden. Ruft man den Manager grundlos, kassiert man selbst Minuspunkte. Diese wollte man doch eigentlich dem Vorgänger für seine fehlerhaft angenommene Bestellung zuschustern!
Nehmen wir eine Bestellung an, haben wir die Wahl zwischen einer Einzelfrucht und zwei oder gar drei anderen Früchten. In der Kartenauslage in der Mitte des Tisches wird übersichtlich klar, was in dieser Runde bereits bestellt wurde.

Drei Sonderkarten sorgen dafür, dass bestehende Bestellungen geändert werden müssen. Oder sie sorgen für Überraschungsmomente im Lager: Wir haben unendlich viele Bananen im Lager, oder gar nichts. Oder alle Drei-Früchte-Bestellungen werden annulliert.
Die Minuspunkte für Fehlentscheidungen eskalieren in jeder Runde. Gibt es in Runde 1 nur einen Minuspunkt, sind es für Runde 4 schon vier Minuspunkte. Das Spiel endet, sobald jemand sieben Minuspunkte angehäuft hat.
Pokermomente
„Durian“ befeuert Poker-Bluff-Momente – gerade in kleineren Runden (3 bis 5 Personen): Ich platziere wie selbstverständlich eine Frucht, die nicht im Lager meiner Mitspieler zu finden ist. Wie reagieren die anderen auf meinen Bluff? Zögern sie? Dann habe ich wohl selbst keine passende Karte und sie erwägen, welches Risiko sie eingehen sollen. Ziehen sie wie selbstverständlich eine Karte? Dann habe ich etwas über meine Früchte herausgefunden. Oder ich laufe gerade selbst einem Bluff auf …

Die Sonderkarten verleihen dem Spiel eine besondere Würze. Das Plus an Unsicherheit ermöglicht erst so manchen Bluff. Wieso nur legen alle Spieler Drei-Früchte-Bestellungen in die Warteschlange? Hab ich etwa die Karte, die all diese Bestellungen annulliert?! Liegen die Sonderkarten im Lager, ergibt sich eine komplett andere Ausgangslage: unendlich viele Bananen oder gähnende Leere? Logik, Deduktion, Spekulation und Bluff geben sich bei „Durian“ die Hand.
Greift ein Spieler zur Glocke, sind alle am Tisch gespannt wie ein Flitzbogen. Was ist auf der eigenen Karte? Der Auflösung folgt fast immer ein zumindest kleines Aufstöhnen oder Lachen. Gegen Ende der Partie und besonders in kompetitiven Runden steigert sich das zu einem Gejohle und Gegröle. Gerade die Sonderkarten lassen die Emotionen besonders hochkochen. Hier wird die Partie gerade gewonnen oder verloren.
Abschließende Gedanken
Bauchspieler haben ihren großen Spaß. Manchmal ist das pure Gefühl, was passt und was nicht, einer kühlen Analyse überlegen. Das Spiel ist kurzweilig und lädt zu ein oder zwei Folgerunden ein. Strategen und Kopfspieler mögen den Deduktionsanteil. Doch wer gar nicht bluffen mag, wird schwer Zugang zu „Durian“ finden.

„Durian“ kann wunderbar spontan aus dem Regal gezogen werden, weil es wahnsinnig schnell erklärt ist. Damit ist es ein tolles Absackerspiel und ein noch besseres Aufwärmspiel, das die Emotionen für den Rest des Spieleabends zu befeuern vermag. Das geschieht ohne direkten Konflikt und daher ohne Vorwürfe unter den Spielern. Es ist definitiv weniger taktisch als „Tiefseeabenteuer“ aus dem selbem Verlag.
In der Summe finde ich es daher besonders gut geeignet für Kinder. Hier muss sich niemand verstellen oder zurücknehmen. Und ganz nebenbei wird spielerisch ein bisschen Logik unterrichtet. Ich empfehle „Durian“ ausdrücklich auch schon für 3er-Runden. In größeren Runden (ab 6 Spielern) funktioniert „Durian“ gut, verliert aber etwas Bluff-Moment, weil das Lesen der Spieler in intimen Runden besser funktioniert. Ich bin in großen Runden einfach weniger häufig dran und habe häufig nur eine, maximal zwei Entscheidungen zu treffen. Im Extremfall geht auch mal eine Runde ganz an mir vorbei. In Minimalbesetzung, also zu zweit, funktioniert „Durian“ allenfalls technisch, aber nicht emotional.
Die meisten Komponenten haben wieder einmal die gute Oink-Qualität. Die Glocke allerdings hätte ich mir noch etwas klangvoller gewünscht. Klnglng statt Klingeling schallt es nur beim dadurch nicht mehr ganz so stimmungsvollen Rufen unseres Gorilla-Managers. Das Kartenformat ist sehr flach. Damit sind die Karten nicht besonders gut mischbar und (zumindest mir bekannt) nicht sleevebar. Für eine Oink-Schachtel ist viel Luft drin. Das macht das Einpacken angenehmer. Die gefalteten Regelzettel (die ich persönlich nur so mittelmäßig finde) in gleich mehreren Sprachen vermitteln das Spiel gut und lassen keine Fragen offen.

Fazit: Einen ganzen Spieleabend trägt „Durian“ nicht, aber es wird sich als Start oder Abschluss für einen Spieleabend oder mal für zwischendrin etablieren. Mit Kindern lässt sich „Durian“ so gut spielen wie mit Expertengruppen. Das Spiel entfaltet seinen Reiz für alle Spielegruppen, die mit dem etwas albernen Thema klarkommen. Klingeling!
Durian
Kartenspiel für 2 bis 7 Spieler ab 7 Jahren
Masato Uesugi
Oink Games 2020
EAN: 4571394092163
Sprache: Deutsch
Preis: 20,00 EUR
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