von André Frenzer
Der 1809 geborene Edgar Allan Poe war ein einflussreicher amerikanischer Schriftsteller, Dichter, Kritiker und Editor. Er gilt als der unangefochtene Meister der Schauerliteratur (Gothic Fiction), als Miterfinder der modernen Kriminalgeschichte und als Pionier der frühen Science-Fiction. Nicht zuletzt H. P. Lovecraft zollte ihm immer wieder Respekt und nannte ihn als eines seiner Vorbilder. Es gibt bereits einige Episoden des „Gruselkabinett“, welche sich an Poes Werk bedienten – so nun also auch die 198. Ausgabe.
Dabei findet sich nicht nur die titelgebende Geschichte „Der schwarze Kater“ in einer Vertonung wieder. Tatsächlich hat „Gruselkabinett“-Mastermind Marc Gruppe gleich drei Erzählungen von Poe in einem größeren Kontext miteinander verwoben. So folgen wir dem Protagonisten zunächst in seine Forschungen rund um „Das ovale Porträt“ und erleben dann seine tragische Liebe zu einer gewissen „Morella“. Seine Geschichte mündet schließlich in den Ereignissen um den „Schwarzen Kater“, welcher mehr als unheimlich aus dem Totenreich zurückgekehrt zu sein scheint. Kenner von Poes Werk wissen, was sie erwartet.
Leider muss ich gestehen, dass ich mich trotz der unbestreitbaren Qualität der Vorlagen bei dieser Ausgabe des „Gruselkabinett“ eher gelangweilt als gegruselt habe. Zu diffus und für den heutigen Hörer zu sattsam bekannt sind hier die übernatürlichen Motive. Durch die Kürze der einzelnen Episoden und die nur lockere Verbindung entwickelt man keinerlei Bezug zu den jeweiligen Charakteren, denen gerade Schreckliches widerfährt. Und tatsächlich wirkt auch die dünne Rahmenhandlung, welche die Geschichten zusammenhalten soll, eher unpassend und schreibt dem Protagonisten einige wechselhafte Charakterzüge, die sich wenig organisch ergeben. Wie nun aus dem interessierten Edelmann aus „Das ovale Porträt“ der brutale Säufer aus „Der schwarze Kater“ wird, lässt sich aus der Geschichte kaum erschließen. Das ändert freilich nichts an der Qualität der einzelnen Geschichten, einzig als Hörspiel wollen sie ihre Wirkung in dieser Konstellation nicht recht entfalten.
Über jeden Zweifel erhaben ist die technische Umsetzung auch dieser „Gruselkabinett“-Episode. Gerade die Musikauswahl weiß ein weiteres Mal voll zu überzeugen. Mit Christoph Jablonka wurde eine überzeugende Stimme für die Hauptrolle gefunden. Leider ist es den weiblichen Sprechern hauptsächlich vergönnt, zu stöhnen, zu darben und irgendwann zu vergehen – hier hätte ich mir mehr Abwechslung gewünscht, was aber freilich Poes Vorlage geschuldet ist.
Fazit: Hin und wieder stelle ich mir die Frage, ob der „Gruselkabinett“-Reihe ob ihrer Langlebigkeit irgendwann der Atem ausgeht. So auch bei dieser – schwachen – 198. Ausgabe. Bislang konnte mich die Reihe später immer wieder aufs Neue überzeugen. So empfehle ich Gelegenheitshörern, diese Episode getrost zu überspringen.
Gruselkabinett 198: Der schwarze Kater
Hörspiel nach Edgar Allan Poe
Marc Gruppe
Titania Medien 2026
ISBN: 978-3-7857-8786-1
1 CD, ca. 83 min., deutsch
Preis: 9,99 EUR
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