von Amel
„Cthulhu“ und „Shadowrun“ waren dieses Mal kaum vertreten. Die anderen großen Veröffentlichungen haben zu viel Aufmerksamkeit verlangt und so wurden die beiden nur am Rande erwähnt. Nächstes Jahr geht es wieder verstärkt damit weiter. „Von Staub verborgen“ ist ein dünnes Abenteuerheft mit drei Abenteuern für „Cthulhu“. Es ist eine deutsche Eigenveröffentlichung unter dem Thema Museen und Bibliotheken und was darin lagert. „Schattendossier 7“ für „Shadowrun“ fasst wie schon die vorigen Bände dieser Reihe die letzten PDF-Veröffentlichungen des „Datapuls“ in einem hübschen und limitierten Hardcover zusammen.
„Daggerheart“ durfte natürlich als große Neuheit in 2026 nicht unerwähnt bleiben, obwohl das Spiel schon eine Weile erhältlich ist. Das Rollenspiel aus dem Hause Darington Press, der Verlagsmarke von „Critical Role“, erschien schon im Sommer. Erhältlich sind das Basis-Set des Regelwerks und eine Deluxe-Ausgabe. Erstere besteht aus dem Regelwerk und einer Box mit Klappdeckel im gleichen Format wie das Buch, die ca. 280 Karten mit Beschreibungen von Zaubern, Fertigkeiten, Hintergründen und Klasse enthält, die man als Referenz zum Charakterbogen legen kann. Die Deluxe-Ausgabe ist eine dicke Box mit Klappdeckel. Sie enthält das Grundregelwerk mit limitiertem Cover, einen Sichtschirm im gleichen Stil und einen Block mit Referenzseiten und Charakterbögen. In einer einzeln herausziehbaren Schublade findet man die gleichen Karten, wie in der Standard-Ausgabe mit Goldschnitt, einen Beutel mit Würfeln und einen großen Beutel mit über Hundert Markern in unterschiedlichen Farben, die in allen Bereichen des Spiels Anwendung finden können, etwa als Marker auf Battlemaps oder zum Zählen von Hoffnung- und Furchtpunkten. Ein Spieltest, an dem ich vor ein paar Wochen teilnehmen konnte, hat mir viel Spaß gemacht. Es ist fraglos recht nah an „D&D“ und will das auch sein, erzeugt aber durch eine etwas unterschiedliche Herangehensweise ein anderes, erzählerisches Spielgefühl.

Für „D&D 5e“ wurde das „Handbuch der Blütendrachen“ vorgestellt. Es stammt aus dem gleichen Haus wie „Humblewood“ und ist eine Art „Bestiarium plus“, das ca. 20 verschiedene Arten von Drachen beschreibt, die alle mit Pflanzen zu tun haben. Es gibt den winzigen Löwenzahndrachen, aber auch einen großen Hortensiendrachen, einen Apfelbaumdrachen und einen Myko-Drachen, der die anderen korrumpieren kann. Reichhaltige Informationen und natürlich Spielwerte machen es möglich, die Wesen direkt ins Spiel zu bringen und Randbemerkungen von verschiedenen Leuten, die in-game die Drachen erforschten, erzählen eine eigene Geschichte. Das Thema ist schon sehr speziell, aber das dicke Hardcoverbuch ist wunderhübsch. Zusätzlich kann man ein Zubehörset erwerben, das einen Sichtschirm enthält (4 Panels, hochkant, jeweils ungefähr B5-Größe), auf dem auf der Außenseite alle Drachen abgebildet sind und auf der Innenseite spielrelevante Infos stehen. Außerdem sind in dem Set ein paar Battelmaps für den Spieltisch und großformatige Karten mit einem großen Bild des jeweiligen Drachen auf einen und Informationen auf der anderen Seite. Abgerundet wird das Set mit einem Stickerbogen, falls jemand sein Notizbuch oder Laptop mit kleinen Blütendrachen verschönern will. Das Buch wird es nicht mehr zur Messe schaffen und erst ab November erhältlich sein.

Die große Neuheit ist aber natürlich „Midgard – Legenden von Damatu“, das pünktlich zur SPIEL in Essen erscheinen wird. Das älteste Rollenspiel Deutschlands wurde von Grund auf modernisiert. Viel ist davon nicht übrig geblieben, aber das Team versprach einen ganzen Haufen Easter Eggs für die alten Fans. Vor 5000 Jahren verschwand der Mond Midgards, was diverse Katastrophen auslöste und die Welt veränderte. Ungefähr 1000 Jahre später tauchte er plötzlich wieder auf, wird aber von jeder Glaubensrichtung anders wahrgenommen. Die Karte der Welt ist in groben Zügen wiedererkennbar, auch wenn die andere Zeitlinie einiges verändert hat. Ein Kontinent ist jetzt beispielsweise zweigeteilt und es gibt Meere, wo ehemals keine waren. Wesen und Geschichte, Magie und alles andere sind völlig anders. Die Regeln sind erheblich entschlackt und modernisiert. Erfolgswürfe mit 1W20 gegen einen Mindestwurf von 20 sind geblieben, ebenso Ausdauer- und Lebenspunkte, die Tatsache, das Kämpfe auch in hohen Stufen noch gefährlich sind und dass das System Kampagnenspiel ermöglicht. Das war es aber auch mehr oder weniger. Abends hatten wir die Gelegenheit, ein Supportabenteuer zu spielen, und dort konnte ich erleben, dass das System gut funktioniert. Es wurde sich munter aus allen Bereichen des modernen Spiels bedient und immer wieder entdeckte ich kleine Regeln und Regelungen, die mir in letzter Zeit auch an anderen Stellen besonders gut gefallen. Mir gefällt es sehr gut, aber alte „Midgard“-Fans müssen sich auf erhebliche Änderungen einstellen. Eine ausführliche Rezension wird folgen.

Zur Messe erscheinen mehrere „Midgard“-Produkte. Die Standardausgabe ist das erwartbare Hardcover. Das Layout ist luftig, modern und übersichtlich. Die Bebilderung ist gelungen und die Weltkarte auf dem Vorsatzpapier ist herausragend hübsch geworden. Das Cover holt mich persönlich nicht ab, aber das ist Geschmackssache. Es zeigt jedenfalls, was die Spielerschaft erwartet: Erstaunen eines kindlichen Halblings im Vordergrund über etwas, das wir nicht sehen. Die Action spielt sich im Hintergrund ab. Das beschreibt recht gut meinen bisherigen Eindruck vom neuen „Midgard“. Die limitierte Ausgabe hat ein Leinencover und enthält 8 zusätzliche Seiten mit einen Rückblick der Frankes, den Erfindern von „Midgard“, einen Druck des Standardcovers und eine Posterkarte der Welt.
Das auf 500 Stück ultralimitierte Box-Set für die Mega-Fans setzt neue Maßstäbe. Die Box selbst ist der „Daggerheart“-Box nicht unähnlich, mit Klappdeckel mit Magnetverschluss und einer herausziehbaren Schublade. Die Box ist allerdings wesentlich dicker – und das nicht ohne Grund. Neben dem Regelwerk mit einem dritten limitierten Cover gibt es eine Weltkarte auf Stoff, ein spezielles Notizbuch für die SL, ein kleines Büchlein mit einem exklusiven Schauplatz, eine große Battlemap mit und ohne Kästchen und mit Whiteboardmarker beschreibbar, 100 Schicksalskarten mit Goldschnitt, ein Würfelset im Beutel, 20 goldene Schicksalsmünzen aus Metall im Beutel, 4 Lesezeichen mit exklusivem Anhänger, eine Faltwürfelschale im passenden Design, einen Umschlag mit 20 verschiedenen Bögen und nochmal 18 Tokens aus Holz ebenfalls im Beutel. Als Clue kann man die Box aufgeklappt hinstellen und als Sichtschirm nutzen. Diverse Tabellen sind auf der Innenseite des Deckels abgedruckt und damit man sogar die Vertiefung nutzen kann, in der das Buch lag, ist dort ein Magnet im Boden integriert an dem man beliebige Referenzen befestigen kann. Der Preis ist genauso „beeindruckend“ wie die Box selbst (249,95 EUR), aber die vielen Materialien wollen natürlich bezahlt werden. Ich vermute, dass die Box einige Fans sehr glücklich machen wird.

Einige der Materialien kann man auch unabhängig von der Box erstehen. Ein Würfelset bietet sechs grüne Würfel (2W20, 2W6 und 2W3). Laut Anekdote wurde intern wohl recht hitzig diskutiert, wie die W3 aussehen sollen. Man hat sich jetzt auf eine spezielle 6-seitige Form geeinigt, die je zweimal die Zahlen 1 bis 3 zeigt und kleiner ist als der W6, damit man die Größenordnung auch direkt an der Größe des Würfels erkennen kann. Es gibt außerdem ein Set mit den 100 Schicksalskarten ohne Goldschnitt. Die Karten sind einmal einsetzbare Besonderheiten, die Charaktere ab einer bestimmten Stufe erhalten. Im Buch ist die Information in Form von fünf Tabellen mit je zwanzig Einträgen zu finden, falls man kein zusätzliches Geld ausgeben will. Zwei limitierte Würfel-Sets in blau und rot schaffen es nicht mehr rechtzeitig zur Messe. Abschließend gibt es noch zwei Sets mit Schicksalsmünzen aus Metall: ein Set mit 5 goldfarbenen Münzen und ein Set mit 20 silberfarbenen Münzen.

Nach dem Abendessen klang der Tag wie erwähnt mit einer Runde „Midgard“ aus. Wir waren ein bunter Haufen kreativer und lustiger Leute und hatten viel Spaß. Supporter Mike hat fulminant geleitet, Regeln und Spielablauf gut vermittelt und uns mal mehr mal weniger einfallsreichen Blödsinn ausprobieren lassen. Das war ein gelungener Abschluss für einen anstrengenden und informativen Tag.