SPIEL 2026: Rekord-Rausch in acht Hallen – Das war die SPIEL

Höher, breiter, voller: Die SPIEL Essen brich 2026 erneut alle eigenen Rekorde. Acht Hallen, knapp 1.000 Aussteller und mehr als 1.800 Neuheiten sorgten für volle Gänge und rauchende Köpfe. Wir haben die harten Fakten der Pressekonferenz aufgedröselt, ordnen die Gewinner des Deutschen Spielepreises ein und geben euch einen Überblick, was ihr in den nächsten Tagen und Wochen von uns erwarten dürft. Wir haben uns jedenfalls kopfüber von Mittwoch bis Samstag in die weltweit größte Brettspiel-Messe gestürzt, viele Eindrücke gesammelt, Gespräche und Interviews geführt und uns fast von den „Queen Alice”-Sprintern umrennen lassen.

von LarsB und KaiM

Acht Hallen, volle Bude: Die Messe im Zahlenrausch

Geschäftsführerin Carol Rapp und Kommunikationsdirektor Robin de Cleur legten auf der Pressekonferenz Zahlen vor, bei denen dem gewöhnlichen Brettspieler schwindelig werden kann: Zum vierten Mal in Folge ist die SPIEL Essen die größte aller Zeiten. Auf stolzen 81.200 m² (ein Plus von 4,8 % gegenüber 2025) erstreckt sich das Spieleparadies über alle acht Hallen der Messe Essen inklusive der Galeria. Selbst Halle 8, die in den Vorjahren als Dach über dem Kopf vor dem Messe-Einlass genutzt wurde, ist dieses Jahr komplett mit Ständen belegt. Einige Aussteller konnten ihre angefragte Fläche gar nicht realisieren und mussten mit dem klarkommen, was die SPIEL Essen zur Verfügung stellen vermochte.

Der Zuschauer-Andrang ist entsprechend gigantisch. Tickets für Donnerstag, Freitag und Samstag waren bereits am Mittwochmorgen restlos vergriffen. Sollte der Sonntag wie erwartet nachziehen (zum Zeitpunkt der Erstellung des Artikels waren noch wenige Restkarten verfügbar), werden sich 230.000 Menschen durch die Gänge geschoben haben – noch einmal 10.000 mehr als im Vorjahr.


Auch die Internationalität bleibt das Pfund, mit dem die Weltleitmesse wuchert: 997 Aussteller aus 53 Nationen reisen an. Deutschland stellt mit 285 Ständen traditionell das größte Kontingent, gefolgt von den USA (102), Frankreich (54), China (47) und Polen (42). Schön zu sehen: Mit Exoten wie Argentinien, Indonesien, Island, Kuwait und der Slowakei kehren auch Länder auf die Messekarte zurück, die man im Vorjahr schmerzlich vermisst hat.

Die Gänge waren insbesondere in der Kenner- und Expertenspiel-Halle 3 wieder einmal zum Bersten voll. Die Abschirmung der Wartebereiche von den Verkehrsbereichen hat besser geklappt als in den letzten Jahren. Aber das Passieren und mehr noch das Flanieren in der Halle 3 setzt weiterhin eine erhebliche Leidensfähigkeit voraus.


Die An- und Abreise am Donnerstag und Freitag waren abenteuerlich – aber eines von diesen Abenteuern, die man sich lieber sparen würde. Mehr folgt im Kommentar „Essen, passt du noch zur SPIEL?“, der bald auf Ringbote Online erscheinen wird.

Von Blockbustern bis Kuschel-Hype: Was kommt auf den Spieletisch?

Satte 1.885 Neuheiten wurden dieses Jahr gemeldet – ein Zuwachs von 9,6 % im Vergleich zu 2025. Der Merz Verlag hat für uns zwei prägende Trends ausgemacht. Auf der einen Seite regieren Popkultur und fette IPs: Ob „Batman“, „Minecraft“, „Dungeons & Dragons“, „Fourth Wing“ oder „Cyberpunk: Edgerunners“ – bekannte Universen drängen massiv in die Brettspielwelt. Auf der anderen Seite bildet die spielerische Umsetzung von ökologischen Themen und der Trend der „Cozy Games“ das entschleunigende Gegengewicht: Spiele, die ein wohlig-warmes, harmonisches Gefühl vermitteln und entspanntes Herunterkommen am Spieletisch garantieren sollen.


Damit man bei der Suche nach dem Wunschtitel nicht völlig orientierungslos umherirrt, bleibt die nach Kategorien sortierte und mittlerweile etablierte Hallenstruktur bestehen. Nur die Trading Card Games (TCGs) erhalten aufgrund ihres enormen Booms in Halle 5 nun ein eigenes, imposantes Areal. In Halle 1 wurde wieder einmal die Tabletop- und RPG-Community glücklich gemacht. In gleich zwei Artikeln werden wir in ein paar Tagen Messeerlebnisse und Rollenspiel-Neuigkeiten vorstellen.

In der Halle 3 waren viele Brettspiele aus dem Kenner- und Expertenbereich zu sehen. Die Hallen 4 bis 6 waren ebenso spannend. Hier waren viele Kleinverlage sowie asiatische Verlage. Ohne diese Verlage wäre die SPIEL einfach nicht dieselbe. Sie bereichern die Brettspielwelt an vielen Stellen. In der Halle 4 konnte man vor einer riesigen Bühne vielfältigen Fachvorträgen lauschen und sich so bei einer Verschnaufpause gleichzeitig informieren. Die Halle 7 war als Großverlagshalle sicherlich etwas für das breite Publikum. Genau diese Zielgruppe hat sich in der neuen Halle 8 ebenso wohl gefühlt. Wir werden euch in zwei Artikeln von unseren Brettspiel-Erfahrungen berichten und widmen allen Spielen, die uns darüber hinaus aufgefallen sind, einen weiteren Artikel.


Deutscher Spiele Preis 2026: Die Krone geht in den „Artengarten“

Ein traditionelles Highlight der Pressekonferenz war die Verleihung des Deutschen Spiele Preises 2026, präsentiert von Carol Rapp und dem neuen offiziellen Messebotschafter, dem US-Illustrator Peter Mohrbacher („Angelarium“).

Der begehrte und größte deutsche Community-Award ging dieses Jahr an folgende Titel:

1. Platz: „Artengarten“ (Feuerland / Autor: Mathias Wigge)
2. Platz: „Boss Fighters QR“ (Pegasus Spiele / Autoren: Michael Palm & Lukas Zach)
3. Platz: „Galactic Cruise“ (PD-Verlag / Autoren: T. K. King, Dennis Northcott, Koltin Thompson)

Den Titel als Bestes Kinderspiel 2026 sicherte sich „Toriki: Eine Insel voller Abenteuer“ (Mirakulus / Autor: Wojciech Grajkowski).


Wir gratulieren allen Autoren und Verlagen herzlich. Für uns sind alle diese Spiele Gewinner-Titel. „Artengarten“ hat hinsichtlich „Verbreitung und Bewertung“ das erfolgreichste Paket abgeliefert. Herzlichen Glückwunsch! „Boss Fighters QR“ hat gezeigt, dass die analoge und die digitale Welt auf tolle Weise miteinander verschmelzen können. Besonders bemerkenswert finden wir, dass es „Galactic Cruise“ als Titel mit vergleichsweise kleiner Auflage in die Top 3 geschafft hat. Persönlich hätten wir die Reihenfolge wohl eher umgedreht, aber der „Deutsche Spielepreis“ ist ja kein „Ringbote Online“-Jury-Preis. Und das ist auch gut so.

Der Gewinner des Kinderspielpreises „Toriki: Eine Insel voller Abenteuer“ ist einer der raren Titel, die nicht nur Kinder zu begeistern vermögen. Es ist eines der wenigen Kinderspiele, die auch den Erwachsenen am Tisch Freude bereiten. Auch hier kommt wieder eine App zum Einsatz, aber es bleibt sehr viel Spiel auf dem Tisch übrig und lädt zum Anfassen, Erleben und Entdecken ein. Es ist ein verdienter Gewinner.


Die ausführlichen Rezensionen von „Boss Fighters QR“, „Galactic Cruise“  und „Toriki“ findet Ihr auf Ringbote Online.

Action, Lasertag und die Werwölfe von der Ruhr

Wer glaubt, auf der SPIEL werde nur schweigend am Holzbrett geknobelt, wird 2026 eines Besseren belehrt. Abseits der klassischen Tische geht es überraschend spektakulär zu: Games Workshop hat im Saal Europa eine eigene Lasertag-Arena hochgezogen, in der 12-gegen-12-Teams gegeneinander antreten (die Slots waren im Nu ausgebucht). In Halle 4 fliegen beim traditionsreichen „Golden Demon“ wieder die Miniatur-Pinsel, bevor am Sonntag das begehrte „Slayer Sword“ verliehen wird. Erstmalig vergeben werden zudem die neu ins Leben gerufenen „TCG Awards“.


Auch das Abendprogramm ist hochkarätig besetzt: Asmodee veranstaltet am Donnerstagabend gemeinsam mit den Streamern von Rocketbeans TV ein großes „Werwölfe von Düsterwald“-Event live in der Grugahalle.

Wer danach immer noch nicht genug hat, erfreut sich an der Aktion „Essen spielt!“: Mit Spieleabenden an Sonder-Locations, Gastro-Rabatten und sogar einer eigenen Messe-Erfrischung (den Gin haben wir leider nicht probiert) rückt die Stadt Essen noch enger an das Messegeschehen heran. Zudem lädt das Ruhr Museum am 8. November auf Zeche Zollverein zu einem Eiszeit-Spieletag passend zur Sonderausstellung „Überleben in der Eiszeit“ ein.


Respekt, was die SPIEL hier neben der eigentlichen Messe bietet. Wir haben diese Veranstaltungen allerdings nicht besucht und können daher nicht berichten, wie diese Angebote tatsächlich angenommen wurden. Schön ist aber, dass die vielen Spiele-Abende in den Hotel-Lobbies und den Ferienwohnungen auch offiziell institutionalisiert wurden. Das Spielen am Abend gehört für uns zur SPIEL dazu.

Blick hinter die Kulissen: Kartenbooster und gute Marktprognosen

Auch wirtschaftlich hat sich die Branche sehr solide entwickelt. Wie der „Spieleverlage e.V.“ verkündete, verzeichnet der deutsche Markt für Spiele und Puzzles bis September ein solides Umsatzwachstum von +8 % (der gesamte Spielwarenmarkt liegt bei +3 %). Haupttreiber bleiben Sammelkartenspiele wie „Pokémon“, aber auch klassische Card Games und Brainteaser legen stark zu. Laut der Branchenumfrage Boardgame Index rechnen 90 % der Verlage mit stabilen bis wachsenden Umsätzen für das laufende Jahr.


Für das Fachpublikum hat der Merz Verlag ebenfalls aufgerüstet: Die offizielle SPIEL-App (über 70.000 Downloads) bietet nun ein B2B-Matchmaking-Tool mit über 600 Registrierten. Zusammen mit der neuen Manufacturer Area in Halle 5 und der B2B Lounge in Halle 7 unterstreicht die Messe damit ihre Rolle als zentraler Wirtschafsknotenpunkt der Spielewelt.

Freut euch auf eine Überdosis SPIEL Essen

Wir werden in den nächsten Tagen und Wochen in rund einem Dutzend Artikeln die SPIEL 2026 von allen Seiten beleuchten. Wir haben Interviews geführt mit Pegasus, Spielworxx/Spielpunxx, B-Rex und dlp. Mit David Falla de Acebo, dem Autoren von „Ashes and Amber“, haben wir über sein Herzensprojekt und über den Einsatz von KI im Kontext Brettspieldesign gesprochen. In drei Artikeln werden wir unsere brettspielerischen Eindrücke, High- und Lowlights präsentieren. In zwei weiteren Artikeln beleuchten wir den Rollenspielbereich. Losgehen wird es mit einem Bericht über den Pressetag. Den Abschluss wird schließlich der Kommentar „Essen, passt du noch zur SPIEL?“ bilden. Viel Spaß!