von LarsB
Skyward Republic
In einem Steampunk-Setting bauen 2 bis 4 Spieler an einer Wolkenstadt. Schön gestaltete Karten zieren die eigene Kartenauslage im bei Good Games Publishing erschienenen Titel. Es geht um Siegpunkte und Spielengine, hat Autor Brendan Evans entschieden. Soweit ist die Reimplementierung des 2017 erschienenen Titels „Skyward“ kein herausragendes Spiel.
Die Würze kommt über den Kartendrafting-Mechanismus hinein: Ich kann in meinem Zeug einen der offen liegenden Kartenstapel aufnehmen oder ich ziehe eine Karte und lege sie auf einen der Kartenstapel. So wachsen die Kartenstapel kontinuierlich und werden immer interessanter. I-cut-you-choose-gleich fragen wir uns, wie wir den Stapel, den wir im Auge haben, behutsam verbessern können, ohne ihn für die Mitspieler zu interessant zu machen. Andererseits wollen wir unseren Mitspielern keine zu vorteilhaften Kartenkombinationen überlassen. Besonders mächtige Karten sind mit negativen Siegpunkten verbunden. Doch mit den passenden Karten lässt sich das Minus auf dem Siegpunktekonto sogar ausradieren. Hier steckt also ein großer Teil des Spielreizes bereits in der Drafting-Phase des Spiels. Wir werden uns diesen Titel genauer anschauen und euch mit einer Rezension dazu versorgen.

JiSoGi – Anime Studio Tycoon
Der über Crowdfunding realisierte und ursprünglich beim japanischen Indie-Verlag Esper Game Studio erschienene Titel „JiSoGi” entführt uns in das Setting eines japanischen Comic-Verlags. Das Wort „JiSoGi“ leitet sich aus dem japanischen Wort Jitenshasogyo ab, was „auf Messers Schneide-Fahren“ bedeutet. Unser Verlag ist in der Krise. Ausgelaugte Schreiber und Zeichner sind nicht mehr in der Lage, für gute Comics zu sorgen. Die Auflagen sinken. Unsere Aufgabe: Krisenbewältigung. Vier Jahre (Spielejahre, nicht echte Jahre) haben wir Zeit, den Verlag wieder auf die Erfolgsspur zu bringen und Comic-Hits zu veröffentlichen.
„JiSoGi“ merkt man bei der Produktion die Kickstarter-Wurzeln an. Die Produktion sieht hervorragend aus. Per Worker-Placement rekrutieren wir Fachpersonal und stellen Comic-Produktionen bestehend aus Setting, Plot und Twist mit dem Ziel zusammen, dass sie besonders gut beim Publikum ankommen. Doch der Geschmack des Publikums ändert sich schnell. „JiSoGi“ vereint ein wunderschön dargebotenes Setting mit Eurogame-Mechanismen. Passend zum Setting ist es eines dieser Eurogames, in denen Ressourcen knapp sind. Rezension auf Ringbote Online? Folgt!

Seoul Journey
Play to Z hat in diesem Jahr unter anderem „Seoul Journey“ im Gepäck. Hier wird der Trend Kuschel-Spiel bedient. Wir planen unsere Reise durch Seoul. Der ganze Look des Spiels, für den Dasom Yun verantwortlich ist, atmet das. Open Drafting, Tableau Building und Set Collection sind klassische Mechanismen für Reisespiele.
Doch bei „Seoul Journey“ ist eben gerade die Darstellung Trumpf. Korea-affine Brettspiel-Kuschler sollten hier einen genaueren Blick riskieren: Orte zeigen berühmte Sehenswürdigkeiten und Viertel wie Gyeongbokgung, Myeongdong oder Hongdae. Kulinarik und Festivals präsentieren typisch koreanische Speisen (Kimchi, Bibimbap, Tteokbokki) und saisonale Feste. Traditionelle Waren, moderne Souvenirs und Plüschtiere sorgen für Set-Boni. Und schließlich gewähren mystische Guardians als legendäre Kreaturen der koreanischen Mythologie Spezialfähigkeiten und Extrapunkte.

The Jailbreak – Cooperate and Escape
Kooperation und Deduktion sind beim bei Adam’s Apple Games erschienenen „Jailbreak“ die Kernmechanismen. Joel Kennedy und Karl Lange lassen uns gemeinsam in die Rolle von Insassen schlüpfen, die über einen Zeitraum von 11 Tagen Schritt für Schritt ihren Ausbruch aus dem Gefängnis planen und ausführen.
Der zentrale Clou des Spiels ist die eingeschränkte und blickwinkelabhängige Information. Je nachdem, wo man am Tisch sitzt, sieht man unterschiedliche Hinweise und Details. Die Spieler müssen sich gegenseitig clevere Tipps geben, ohne den Wachen aufzufallen. Durch schlussfolgerndes Denken müssen Werkzeuge und Gegenstände an den richtigen Stellen eingesetzt werden, um die jeweiligen Aufgaben zu lösen. Macht die Gruppe dabei Fehler, droht die Entdeckung durch das Gefängnispersonal. Das Spiel beinhaltet 44 verschiedene Herausforderungen/Szenarien, die in 11 Kapiteln („Tage“) absolviert werden. Mit zwanzig Minuten pro Kapitel ist das Spiel schnell gespielt und bietet sich so auch für ein schnelles Zwischendurch-Ausbruchs-Erlebnis an. Dem Spielgefühl werden wir in einer Rezension bei Ringbote Online auf den Grund gehen.

Die vier Pforten – Gemeinsam gegen die Finsternis
Wenn auf einer Spieleschachtel Matt Leacock steht, dann schauen wir genauer hin. Wer hier ein kooperativen Spiel vermutet, liegt goldrichtig. Die Spieler schlüpfen in dem bei Game Factory erschienenen „Die vier Pforten“ in die Rollen von verschiedenen Charakteren (mit Spezialfähigkeiten). Wir müssen zusammenarbeiten, um Schattenwesen daran zu hindern, die vier magischen Pforten des mystischen Leuchtturms zu versiegeln, bevor wir die vier magischen Relikte aus dem Schattenreich geborgen haben. Nur mit ihnen gelingt es uns, das Leuchtfeuer des magischen Leuchtturms zu entzünden. Das ist der einzige Weg, die Schattenwesen auf immer zu verbannen – bis zur nächsten Partie.
In jedem Spielzug müssen Absprachen getroffen werden, wie begrenzte Ressourcen, Heldenfähigkeiten und Aktionen koordiniert eingesetzt werden. Denn aus den namensgebenden Pforten drängen fortlaufend Schattenwesen und Bedrohungen. Die Gruppe muss Prioritäten zwischen der Abwehr aktueller Gefahren und der Suche nach den Relikten setzen, mit denen dem ganzen Spuk ein Ende gemacht werden kann. Das Spiel läuft gegen die Zeit und den steigenden Druck der Finsternis. Nur wenn die Gruppe alle vier Relikte rechtzeitig beisammen hat, ist das Spiel gewonnen. Die Karten und die Spielbox sehen absolut fantastisch aus. Ein schön produziertes, reduziertes „Pandemie to go“? Wir freuen uns darauf, das Spiel zu rezensieren.

Ashes and Amber
„Ashes and Ambers“ ist ein umfangreiches kartenbasiertes Brettspiel, bei dem Spieler ihre Zivilisation von der Vorzeit bis in die Moderne führen. Man baut Städte in Form von Kartenstapeln auf. Aktiviert wird jeweils die oberste Karte; je mehr Städte man kontrolliert, desto mehr Karten und Synergien lassen sich nutzen. Am Ende jeder Ära bricht eine Katastrophe herein, die ungeschützte Karten zu Asche („Ashes“) verbrennt. „Build, burn and rise again” nennt der Autor diesen Mechanismus. Die einzigartige Bernstein-Karte symbolisiert die Widerstandskraft der Zivilisation. Sie kann nicht verbrennen, liefert Einkommen und dient am Spielende als Hauptquelle für Siegpunkte. Während Katastrophen in den ersten vier Ären fest am Rundenende eintreffen, wird das finale Verbrennungs-Event in der 5. Ära ausgelöst, sobald die letzte Wertungskarte genommen wird. Dies erzwingt taktische Abwägungen und Mindgames zwischen den Mitspielern.
Die Gestaltung und die Produktion ist herausragend gut gelungen. Wir werden das Spiel rezensieren. Darüber hinaus wird auf Ringbote Online ein ausführliches Interview mit David Falla de Acebo veröffentlichen, in dem er verrät, auf welche Weise er KI bei der Realisierung des Ein-Mann-Projekts genutzt hat.

Batman – Gotham City Crimes
Kosmos. Michael Menzel. Batman. Was soll man jetzt noch schreiben? Batman ist auf der Schachtel und in der Schachtel. Alles ist in Kooperation mit Warner Bros. Discovery entstanden. Viele Zeichnungen stammen direkt von DC-Zeichnern. Kein Wunder also, dass uns die Grafik direkt nach Gotham City versetzt.
Die Spieler übernehmen kooperativ die Rollen von Batman, Batgirl, Batwoman und Nightwing. In dem storygetriebenen Abenteuerspiel klärt die Gruppe gemeinsam Fälle auf, indem sie Schauplätze in Gotham City untersucht und Bedrohungen bekämpft. Um das Verbrechen einzudämmen, müssen sich die Helden oft aufteilen und an mehreren Orten der Stadt gleichzeitig agieren. Kooperation und Timing sind die Schlüssel zum Erfolg. Ein spezieller Batman-Rotfilter dient dazu, geheime Hinweise und Spuren auf Karten sichtbar zu machen. Das Spiel nutzt ein vorbereitetes Tutorial-Szenario, das die Spielregeln direkt beim Spielen vermittelt – ganz wie bei etwa bei „Robin Hood“, das ebenso bei Kosmos erschienen ist und von Michael Menzel designt wurde. Wir freuen uns auf umfangreiches Spielmaterial. Schön, dass wir die Gelegenheit haben, das Spiel auf Herz und Nieren zu prüfen und eine Rezension auf Ringbote Online zu veröffentlichen.

Eternal Decks
Im Original bei Tricktakers Games erschienen, sind die ersten deutschen Exemplare zur SPIEL eingetrudelt – leider nur in homöopathischer Stückzahl. Wir haben das Glück, eines der Exemplare bei uns liegen zu haben und rezensieren zu können. Autor Hiroken hat eine kooperative Spielerfahrung neu gedacht. So können wir weitere Karten so ablegen, dass uns die Erfüllung weiterer Aufgaben weitere Kartendecks freischaltet. In der Hoffnung, dass uns die Karten nicht irgendwann ausgehen, fahren wir so lange fort, bis wir auch die letzte Voraussetzung für den Spielsieg erfüllt haben.
Die herausragende Präsentation des Spiels inklusive absolut bügelfreier Spielematte ist ein echter Blickfang. Ob das Spiel tatsächlich ein Highlight ist? Wir berichten rechtzeitig zur großen „Eternal Decks“-Lieferung.

Leute, Leute!
Es ist einfach total schön, die Kollegen und mittlerweile viele gute Freunde vor Ort zu treffen. Neben der herzlichen Wiedersehensfreude und dem geschätzten persönlichen Austausch ist natürlich auch die fachliche Diskussion enorm befruchtend. Das Kennenlernen von neuen Verlagen und deren Mitarbeitern macht das Hobby permeabel: Nirgendwo sonst kann man ein solch internationales Fachpublikum antreffen. Nirgendwo sonst haben neue Verlage die Möglichkeit, Kontakte zur Fach-Presse und zu Content-Kreatoren zu knüpfen, um Sichtbarkeit zu erlangen. Auch das Pflegen und Ausbauen bestehender Kontakte kann abseits des ab Donnerstag folgenden Messe-Wahnsinns viel entspannter erfolgen. Die Community lebt auch durch das Presse-Event auf der SPIEL. Und das ist wichtig für das Hobby Brettspielen. So haben wir zum Beispiel die Zeit gehabt, ganz ausführlich mit Peter Berneiser (Pegasus Spiele) zu sprechen und ihm ein halbes Geheimnis zu entlocken. Das komplette Interview gibt’s (in Kürze) auf Ringbote Online.