von LarsB
Ringbote Online: Lieber Peter, magst du dich zum Start einmal kurz vorstellen?
Peter Berneiser: Ja, ich bin Peter und arbeite seit fast 15 Jahren bei Pegasus Spiele. Dort bin ich verantwortlich für das Marketing- und PR-Team.
Ringbote Online: Wunderbar. Um dich auch spielerisch etwas besser kennenzulernen: Welche drei Spiele würdest du auf eine einjährige Antarktis-Mission mitnehmen und warum?
Peter Berneiser: Ein Jahr ist eine lange Zeit, da braucht man Spiele, die viel bieten. Drei Spiele sind dafür relativ wenig. Es wäre eine tolle Gelegenheit, all die Kampagnenspiele auszuprobieren, die sich zu Hause stapeln. Aber ich glaube, ich nehme lieber etwas Bewährtes mit, bei dem ich weiß, dass es mich ein Jahr lang gut unterhält.
Ich entscheide mich für kooperative Spiele. In der Antarktis möchte man sich schließlich vertragen und keinen zusätzlichen Stress durch kompetitive Spiele bekommen.
1. „Spirit Island“: Ein fantastisches Spiel mit großartigen Erweiterungen und enorm viel Abwechslung durch verschiedene Geister und Nationen. Ein absoluter All-Time-Favorite.
2. „Eldritch Horror“: Hat ebenfalls mega viele Erweiterungen und bietet riesigen Spielspaß für lange Zeit.
3. „Aeon's End“: Ein hervorragender kooperativer Deckbuilder.
Alle drei Spiele bieten durch ihre Erweiterungen extrem viel Varianz und eine gute Spieldauer. Für diese Spiele kann man mich auch nachts wecken.
Ringbote Online: Schauen wir auf die Messe SPIEL in Essen. Wie gut hat die Anlieferung der Neuheiten in diesem Jahr bei euch geklappt? Gab es Wackelkandidaten?
Peter Berneiser: Erstaunlich gut! Das lag teilweise auch daran, dass sich ein paar Titel über den Sommer verspätet hatten und nun pünktlich im Herbst zur Messe erschienen sind. Es gibt erstaunlich wenige Titel, die es nicht rechtzeitig geschafft haben. „Clash of Clans“ konnte in einer kleinen Menge für die Messe organisiert werden, kommt für den Handel aber erst etwas später. „Fragments: Fungatai“ wurde auf das Frühjahr 2027 zur Spielwarenmesse Nürnberg verschoben. Der Einsteiger-Teil „Fragments: Solara“ ist jedoch hier auf der Messe verfügbar. „Robo Run“ von Portal Games erscheint auf Deutsch bei uns und trifft nach aktuellen Informationen am Samstag noch auf der Messe ein. Die englische Version ist bereits da.
Ansonsten ist alles rechtzeitig angekommen. Einige Titel wie „Raas“, „Minikin City“ oder „Medico“ haben wir bereits einige Wochen vor der Messe in den Verkauf gegeben, um den Handel frühzeitig zu beliefern und den Messeansturm zu entzerren. Der Handel freut sich darüber, die SPIEL-Neuheiten bereits anbieten zu können.
Ringbote Online: Wir sitzen hier beisammen auf der Neuheiten-Show und ich sehe, ihr habt eine Menge Neuheiten aufgebaut. Wie viele Titel habt ihr dieses Jahr insgesamt dabei?
Peter Berneiser: Wenn man wirklich alles zusammenzählt – inklusive Zubehör, Rollenspiel-Material, Würfel, Erweiterungen und Mini-Erweiterungen wie das „Bombbusters Upgrade-Kit“ oder den „Pixies“-Booster – kommen wir auf 63 verschiedene Artikel.
Wir sind ein Verlag mit einem sehr breiten Sortiment: Vom Kinderspiel über Familienspiele bis hin zu Kenner- und Expertenspielen decken wir alle Themen und Genres ab, ob kooperativ oder kompetitiv. Das unterscheidet uns von Verlagen wie Feuerland, die stark auf Expertenspiele fokussiert sind, oder Amigo, die sich auf schnelle Kartenspiele konzentrieren. Bei uns findet jeder das passende Spiel. Das ist für uns manchmal auch herausfordernd.
Ringbote Online: Habt ihr in diesem Jahr einen besonderen Fokus?
Peter Berneiser: Ja, auf jeden Fall. Ein zentraler Fokus liegt auf der „Dorfromantik“-Reihe. Nach dem großen Erfolg von „Dorfromantik – Das Brettspiel“, das 2023 zum Spiel des Jahres gekürt wurde, war das der Start einer großen Reihe. „Dorfromantik – Sakura“ kam 2024. Da waren viele Spieler noch gar nicht fertig mit dem ersten Teil. Letztes Jahr haben wir einen kleinen Dorfromantiktitel herausgebracht mit „Leichtes Gepäck“. Dieses Jahr haben wir mit „Dorfromantik: Südsee“ den nächsten großen Nachfolger am Start. Wir peilen einen Rhythmus an, bei dem etwa alle zwei Jahre ein großes Kampagnenspiel erscheint und dazwischen kleinere Ableger wie „Dorfromantik: Das Duell“ veröffentlicht werden. Die Reihe hat sich weltweit bereits über 500.000 mal in vielen verschiedenen Sprachen verkauft. Das ist der Traum eines jeden Verlags, eine langlebige Reihe etablieren zu können. Nur ganz wenige schaffen es, Spiele herauszubringen, die auch nur annähernd so erfolgreich sind wie „Catan“ oder „Carcassone“. Das ist für „Dorfromantik“ gelungen.
Ein weiterer wichtiger Titel ist „Boss Fighters QR“. Nach dem Grundspiel im letzten Jahr folgt nun die Erweiterung „Dschungelfieber“. Bis Ende des Jahres werden wir davon über 100.000 Exemplare in rund 17 Sprachen verkauft haben. Das System bietet enorme Möglichkeiten für analoge und digitale Erweiterungen, neue Bosse, Helden, Klassen. Ich habe auch schon viele andere spannende Ideen gehört. Wir haben die Möglichkeit, digital zu erweitern, etwa mit speziellen Weihnachts- oder Oster-Bossen.
Zudem haben wir „Medico“ von Stefan Feld und Ralf Bruhn (Hall Games) im Programm. Es ist ein Stefan-Feld-Spiel, das sich in einer guten Stunde flüssig spielen lässt, mit schlanken acht Seiten Regelheft. Es bietet schöne Möglichkeiten und Interaktion.
Auch „Spirits of Valenor“ ist ein spannender Titel. Es ist ein kooperatives Kampagnenspiel in einer kleinen Schachtel mit limitierter Kommunikation.
Ringbote Online: Wie ist „Spirits of Valenor“ überhaupt entstanden?
Peter Berneiser: Der Kontakt kam über die österreichische Agentur White Castle von Anita Landgraf zu uns. Wir fanden das Konzept sofort genial: kooperativ, begrenzte Kommunikation, knackige Entscheidungsmomenten und eine komplette Kampagne in einer kleinen Box. Das Thema der Naturgeister, die sich gegen Eindringlinge wehren, passt hervorragend dazu. Und erinnert an „Spirit Island“. Das Spiel wollten wir auf jeden Fall machen.
Ringbote Online: Gab es dabei redaktionell noch viel anzupassen?
Peter Berneiser: Bei jedem Spiel gibt es redaktionelle Anpassungen. Manchmal arbeitet man intensiv mit den Autoren zusammen, manchmal weniger. Stefan Feld beispielsweise liefert seine Prototypen meist rein mechanisch ohne Thema ab und bittet die Redaktion, ein passendes Thema zu finden, das die Mechanik verständlich erklärt. Es ist völlig unterschiedlich, wie viel Arbeit in einem Titel steckt – das hängt nicht von der Schachtelgröße ab. Auch kleine Spiele müssen perfekt austariert sein.
Ringbote Online: Du hast „Medico“ erwähnt, eine Zusammenarbeit von Stefan Feld und Hall Games (Ralf Bruhn). Ist die Kooperation zwischen Hall Games und Pegasus inzwischen ein Selbstläufer?
Peter Berneiser: Wir arbeiten schon sehr lange und eng mit Ralf Bruhn zusammen, seit 2010. „Luna“ war der erste Titel, dann folgte „Il Vecchio“, meine ich. Die Rollenverteilung war meist so: Komplexe Expertenspiele erschienen unter dem Logo von Hall Games im Pegasus-Vertrieb (wie „Bonfire“ oder „Dschinn“). Titel im Kennerspielbereich erschienen direkt als Pegasus-Spiele (wie „Istanbul“). Es ist eine gewachsene, freundschaftliche und extrem erfolgreiche Partnerschaft. Wenn es ein reiner Pegasus-Titel ist, kümmern wir uns um die Lokalisierung. Ist es ein Hall Game, macht Ralf Bruhn das. „Medico“ ist so ein Zwischending. Ralf Bruhn ist ein echter Könner, was Kenner- und Expertenspiele angeht, weil er das Gespür dafür hat, Regeln auf den Punkt zu bringen und komplexe Mechanismen gut darstellen zu können. Die Partnerschaft ist auch freundschaftlich gewachsen.
Ringbote Online: Lass uns nochmal auf „Fragments“ zu sprechen kommen. Kannst du das Spielprinzip genauer erklären und wie ihr dazu gekommen seid?
Peter Berneiser: „Fragments“ ist ein narratives Rätsel- und Puzzlespiel für 1 bis 3 Personen. Mehr Personen würde ich nicht empfehlen, um auf den Puzzleteilen noch alles erkennen zu können. Es verbindet ein Abenteuerbuch – bei Fragments geht es um Wüstennomaden – mit physischen Puzzle-Fragmenten. Man liest die Geschichte und erhält Anweisungen, welche Fragmente man aus der Box nehmen darf. Diese Fragmente werden so zusammengefügt, dass Anweisungen auf den Teilen entstehen, die man befolgen muss – etwa das Umdrehen von Teilen, wodurch neue Hinweise sichtbar werden. Es kommen immer neue Fragmente ins Spiel, andere werden wieder aus dem Spiel genommen. Zusammen mit dem Abenteuerbuch wird die Geschichte so vorangebracht. Man sollte beim Lösen der Rätsel die Story im Hinterkopf haben. Manchmal muss man um die Ecke denken. Es ist wirklich nicht so simpel, wie es sich anhört. Die Einsteiger-Box „Fragments: Solara“ bietet etwa anderthalb Stunden Spielzeit. Die große Box „Fragments: Fungatai“ mit vier komplexen Szenarien folgt im Frühjahr nächsten Jahres.
Wir haben das Spiel über unseren Partner Iello entdeckt. Unser Redaktionsteam erkennt auf Messen wie der SPIEL immer wieder solche Perlen, und wir sind froh, dass wir uns die Rechte sichern konnten. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und das Potenzial eines Spiels erkennen. Wir haben sofort erkannt, dass das Spielprinzip neu und ungewöhnlich ist. Und dann muss man schnell sein. Wir freuen uns, dass wir das Spiel im Portfolio haben.
Ringbote Online: Welche beiden weiteren Highlights aus dem aktuellen Pegasus-Neuheiten-Programm möchtest du außerdem herausstellen?
Peter Berneiser: Ich bin großer „Wolfsmond“-Fan. Das Spiel ist toll für Liebhaber von „Love Letter“ – eines der coolsten Micro-Games mit wenigen Karten: eine Karte zur Handkarte dazu ziehen, eine Karte ausspielen. Das macht man mit dem Ziel, die anderen Spieler aus dem Spiel zu kegeln. Wenn bis zum Ende des Kartenstapels noch mehrere Spieler übrig sind, werden die Handkartenwerte verglichen und so der Sieger ermittelt. Das ist das grundlegende Prinzip. „Wolfsmond“ bringt noch weitere Mechanismen und damit mehr Tiefe und einem neuen Kniff durch eine Auslage in der Mitte. Wir können mit der verdeckten Kartenauslage in der Mitte Karten tauschen. So bekommen wir mehr Informationen und können vielleicht auch mal eine Karte zwischenlagern, die wir jetzt noch nicht gebrauchen können. Im Zugstapel liegen drei Mondkarten. Wird die dritte Mondkarte gezogen, gewinnt die Wehrwölfin, wenn sie im Spiel ist. Vorher ist die Wehrwölfin eine der gefährlichsten Karten, weil man mit ihr sehr schnell ausscheiden kann.
Als zweites Highlight nenne ich „Positano“. Das ist ein Familienspiel mit einer großartigen 3D-Tischpräsenz. Man baut Gebäude am Hang eines Strandes auf vier Ebenen. Das Besondere: Man bietet auf Baukarten und Positionen. Am Ende zählen für die Punkte nur die Gebäudeebenen, die von der Strandseite aus tatsächlich sichtbar sind! Baut jemand davor ein höheres Gebäude, verdeckt es die Sicht und nimmt einem die Punkte. Die Farbe der Dächer spielt ebenso eine Rolle. Das sorgt für einen herrlich positiven Ärgerfaktor am Tisch, weil wir auf die Karten bieten, mit denen wir bauen können: Bauebene, Bauposition und Dach. Alles kann ich nicht gleichzeitig haben. Ich will am liebsten drei Ebenen haben, aber auch gern die passende Position.
Ringbote Online: Wenn wir den Blick in die Zukunft richten: Auf welches kommende Projekt freust du dich besonders?
Peter Berneiser: Der Blick in die Glaskugel ist noch ganz schön trübe. Aber für die Spielwarenmesse Nürnberg habe ich etwas im Blick: Wir arbeiten mit einer bereits genannten Person an einem neuen Spiel in einem seit vielen Jahren bei Pegasus bestehenden Spiele-Universum. Dazu kommt was Neues heraus. Mehr darf ich dazu aber noch nicht verraten!
Ringbote Online: Peter, vielen lieben Dank für das Gespräch und die spannenden Einblicke!
Peter Berneiser: Sehr gerne! Es war eine wunderbare Auszeit vom Messetrubel.