SPIEL 2026: Ein völlig subjektiver Reisebericht

Ende Oktober öffnete die diesjährige SPIEL ihre Pforten. Neben den Größen der Brett- und Kartenspielbranche hat sich auch (nahezu) die gesamte Rollenspielverlagslandschaft ein weiteres Mal eindrucksvoll präsentiert. Natürlich hat sich der Ringbote ins Messegetümmel gestürzt, um Neuigkeiten und Eindrücke zu sammeln.

von André Frenzer

Ich kann tatsächlich nicht mehr sicher sagen, in welchem Jahr mein erster Besuch der SPIEL stattfand. Was ich sicher weiß ist, dass zur damaligen Zeit die Rollenspiele und Tabletop-Inhalte der Messe in Halle 6 untergebracht waren, welche lange Zeit als Mekka der Nerdkultur gelten durfte. Natürlich neben der zeitgleich stattfindenden „Comic Action“, welche parallel – oder ergänzend – zur SPIEL in den gleichen Ausstellungshallen stattfand. Damals parkte man noch an der S-Bahn-Station nebenan oder einfach „wild“ am Straßenrand, kaufte sein Ticket am Morgen der Anreise direkt vor Ort und hatte dennoch das Gefühl, dass die SPIEL ein Riesen-Event war. Wie naiv, vergleicht man diese Erinnerungen mit den heutigen Dimensionen.

Ein Lob an die Orga

Die SPIEL ist gewachsen und mittlerweile ein nahezu perfekt durchorganisiertes Event geworden. Denn eines muss man den Organisatoren der größten Spielemesse der Welt lassen: Abseits von nervigen Offensichtlichkeiten wie dem dank drohendem „Ausverkauf“ vorverlegten Kartenkauf merkt man als Besucher der Messe kaum etwas Negatives von den bedeutend größeren Dimensionen. Apropos ausverkauft: Das war die SPIEL in diesem Jahr mal wieder. Einziges Manko ist die damit einhergehend schwierige Parkplatzsituation. Doch mit ein wenig Vorplanung und ein wenig Geduld lässt sich auch diese Hürde meistern. Einmal in der Halle angekommen wird natürlich offensichtlich: Das Spielen in all seinen Facetten ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. In diesem Jahr füllte die SPIEL problemlos eine achte Halle mit zahlreichen Ausstellern aus aller Welt. Und gerade durch diese Flächenerweiterung konnte man den überwältigenden Besucherandrang noch einmal besser verteilen, was allen zugutekam.


Aber nicht nur die Organisatoren der Messe selbst, sondern auch die einzelnen Standbetreiber haben ihren Teil zu flüssigeren Abläufen und einem besseren Messeerlebnis beigetragen. So waren die Warteschlangen selbst an stark frequentierten Ständen – wie dem von Game Factory, welche das „Spiel des Jahres“ im Gepäck hatten, durchaus überschaubar und die Wartezeiten annehmbar. Einzig in Halle 3, in der neben Platzhirschen wie dem Pegasus-Verlag – dessen Verlagsstand mittlerweile die Dimension einer mittleren Kleinstadt angenommen hat – auch noch Zugänge zum Außenbereich und eine große Toilettenanlage zu finden sind, habe ich kurz das Gefühl, wirklich in Menschenmassen umhergeschoben zu werden. Doch bleibt das tatsächlich eine Ausnahmeerscheinung.

Rollenspiel …


Nun bin ich durchaus ein Freund von gepflegten Brettspielabenden, doch tatsächlich führt mich meine Liebe zum Rollenspiel – zugegebenermaßen seit Jahren ergänzt durch ein Faible für Trading Cards und Tabletop-Figuren – auf die Messe. Halle 6 ist längst nicht mehr die Heimstatt dieses Bereichs, stattdessen führen mich meine ersten Schritte in Halle 1. Diese ist – ergänzt um zahlreiche Aussteller in Halle 2 – das neue Mekka des Nerdtums und bot auch in diesem Jahre einen breiten Einblick in die Welt der fantastischen Spiele. Neben den üblichen Verdächtigen aus der deutschen Rollenspielverlagslandschaft – Ulisses Spiele mit Ottavio, dem Uhrwerk Verlag oder System Matters – hatten sich auch wieder einige internationale Aussteller eingefunden. Free League Publishing war ebenso vertreten wie Goodman Games oder der amerikanische Chaosium-Verlag. Diese Bandbreite und die damit einhergehende Möglichkeit, auch einmal einen Originalband ohne langwierigen Versandweg zu erstehen, ist durchaus reizvoll. Dabei waren durchaus auch einige kleinere Verlage wie der Squink-Verlag oder die Storypunks vor Ort; allerdings fiel dem Kenner auch das Fehlen einiger alter Bekannter auf. Weder der mit „Ultima Ratio“ bekannt gewordene Heinrich-Tüffers-Verlag noch die von mir sehr geschätzten Damen der Redaktion Phantastik waren vor Ort, was ich sehr schade fand. Ich hoffe, dass es bei einem einmaligen, vielleicht organisatorisch bedingten Aussetzer bleibt.

… Tabletop …


Neben den Rollenspielen nimmt der Tabletop-Bereich einen großen Teil der Halle 1 ein. Allen voran natürlich der Große Alte des Genres, Games Workshop. Diese veranstalteten ein weiteres Mal ihren hauseigenen „Golden Demon“-Malwettbewerb auf der SPIEL und die Vitrinen voller liebevoll bemalter Figuren lockten zahlreiche interessierte Beobachter an. Neben vielen weiteren Tabletop-Spielen – von Skirmishern wie „Infinity“ und „Warcrow“ bis hin zu Massensystemen wie „Conquest“ oder dem „StarCraft“-Tabletop – waren es vor allem die Hersteller von Hobbymaterial, welche die Halle 1 bevölkerten. Egal ob Farben, Pigmente, Pinsel, vorgestaltete Bases oder Bastelmaterial – wer hier als Hobbyist nicht fündig wurde, ist selber schuld. Ähnliches gilt für die zahlreichen Würfelhersteller, welche beide Hobbysparten – Rollen- wie Tabletop-Spieler – ansprechen durften, und eine breite Auswahl immer exotischer und hübscher gestalteter Würfelvarianten im Gepäck hatten.

… und anderer Nerdkram


Zwar bemühe ich in diesem Artikel mehrfach das Wort „Nerd“, um den fantastischen Bereich der SPIEL abzugrenzen. Doch sind wir ehrlich: Was früher als etwas verschroben galt und liebevoll „nerdig“ getauft wurde, ist längst nicht mehr so ein Randthema wie früher, sondern spricht wesentlich breitere Käuferschichten an. Ein Segen, sicher; in Bezug auf die SPIEL aber Fluch zugleich, denn es finden sich mittlerweile deutlich mehr Verlage, welche wirklich interessante Waren im Gepäck haben, thematisch aber nicht unbedingt in Halle 1 angesiedelt wurden. So muss man im Vergleich zu früheren Zeiten ein wenig mehr Laufbereitschaft an den Tag legen, um beispielsweise Asmodee in Halle 5 zu besuchen, welche neben ihrem breiten Brettspielangebot nun einmal auch das „Star Wars“-Tabletop „Legions“ verlegen oder auch das TCG „Star Wars Unlimited“. Pegasus, Verleger zahlreicher Rollenspiele, war (wie erwähnt) in Halle 3 untergebracht, wer Trading-Card-Zubehör-Hersteller wie Dragon Shield oder GameGenic suchte, war wiederum in Halle 5 unterwegs. Diese Wege sind kaum den Organisatoren anzulasten, bieten aber tatsächlich auch Vorteile: So kann man Eindrücke von Spielen und Verlagen sammeln, die man sonst wohl gar nicht bemerkt hätte.

Zugleich muss ich aber auch attestieren: Die Reizüberflutung, welche die SPIEL mittlerweile bietet, ist enorm. Wer sich im Vorfeld nicht genauestens informiert, welche Spiele oder Aussteller ihn erwarten oder interessieren, der verliert sich schnell in der schieren Masse der Angebote. Ich empfehle daher allen, die einen ersten Besuch planen dringend, ein wenig Zeit in die Vorplanung zu investieren. Es lohnt sich.


Fazit

Ein Hoch auf die Organisation, welche den Besuchermassen gekonnt Herr wurde und mir einen angenehmen Messebesuch trotz neuer Besucherrekorde beschert hat. Ein Hoch auf die zahlreichen Aussteller aus aller Welt. Punktum: Wer sich für Spiele in irgendeiner begeistern kann, sollte einmal auf dieser Messe gewesen sein. Ich komme wieder, keine Frage.